Statistische Methoden in Geschichte und Landeskunde
Unter "moderner Stadtgeschichte" versteht Bruno Fritzsche
die Anwendung moderner Methoden auf die Untersuchung der Stadtentwicklung
seit dem Umbruch der Französischen Revolution. Dabei handelt
es sich im wesentlichen um die Übernahme von Ansätzen
aus der Soziologie, der Ökonomie und der Geographie bezogen
auf die Stadt und ihr Umland. Dies verlangt meistens die Erhebung
statistischer Daten. Häufig lassen sich nicht alle erforderlichen
Daten für den gewählten Zeitraum mit einem vertretbaren
Aufwand beschaffen. In der Folge muss die Problemstellung aus
arbeitsökonomischen Gründen eingegrenzt werden. Die
gängige Forderung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte,
die Wechselwirkungen, Zusammenhänge und Abhängigkeiten
zwischen ökonomischen, demographischen, institutionellen
und politischen Prozessen transparent zu machen, kann damit
nicht eingelöst werden. Mehr noch: Die im Rahmen von Einzelarbeiten
erhobenen Daten stehen Dritten für weitere Untersuchungen
nicht zur Verfügung, weil eine Struktur fehlt, die solches
Material aufnimmt und in geeigneter Form erschliesst. Von der
Datenbeschaffung her fängt damit jede Arbeit im Grunde
genommen bei Null an. Wohl gibt es mittlerweile Datenarchive,
welche einmal erhobene Datenbestände für Folgeauswertungen
zur Verfügung halten. Aber einmal verwalten sie nur einen
Bruchteil der tatsächlich erhobenen Daten. Im weiteren
ist ein Überblick schwer zu gewinnen, und die Einarbeitung
in einzelne Datenbestände kostet einen erheblichen Aufwand.
Eine Datenbank sollte flächendeckende Schlüsseldaten
für eine möglichst grosse Zahl von potentiell bedeutsamen
Untersuchungsfeldern aufbereiten und in benutzerfreundlicher
Form zur Verfügung stellen. Im Idealfall müsste eine
Datenbank
Das Konzept des historisch-geographischen Informationssystems
BERNHIST
Eine Datenbank, die diesen Kriterien teilweise entspricht, ist
für den Schweizer Kanton Bern in den letzten zehn Jahren
geschaffen worden: Die relationale Datenbank BERNHIST enthält
derzeit rund 1,5 Millionen so genannte Entitäten, Schlüsseldaten
aus den Bereichen Bevölkerung, Wirtschaft, Umwelt, Politik
für den Zeitraum von 1700 bis zur Gegenwart . Sie ist nur
auf fünf hierarchischen Raumebenen - Gesamtkanton, Landesteil,
Bezirk, Kirchgemeinde, Gemeinde - angeordnet, was für viele
Problemstellungen der modernen Stadtgeschichte ausreicht. Die
beiden untersten von Sieglerschmidt angeregten Ebenen der Individuen
und der Haushalte wurden aus Rücksicht auf andere Zielsetzungen
wie Kosteneffizienz, Bedienungsfreundlichkeit, Belegung von
Speicherplatz und Geschwindigkeit des Datentransfers weggelassen.
Die Abfrage ist über Internet möglich. Im folgenden
wird BERNHIST kurz vorgestellt und gezeigt, in welcher Weise
die Datenbank bisher für die stadt- und ortsgeschichtliche
Forschung fruchtbar gemacht worden ist.
Entsprechend der dreidimensionalen Grundstruktur von Daten in
historischstatistischen Quellen wurden drei Teilbereiche oder
Achsen unterschieden.
Jeder Beobachtungswert in der Datenbank BERNHIST kann den drei
Achsen Raum, Thema und Zeit zugeordnet werden. Dank dieser Charakterisierung
jedes einzelnen Datenpunktes kann relativ schnell und gezielt
auf die in der Datenbank enthaltenen Daten zugegriffen werden.
Das Suchergebnis erscheint jeweils in Form einer Tabelle. Die
Daten des Suchergebnisses können nun je nach Bedarf als
MS Excel-Datei heruntergeladen, als PDF exportiert oder als
einfache Grafik dargestellt werden.
Literatur zu BERNHIST
Es kann ein Manual heruntergeladen werden, welches die Abfragefunktion zeigt und anhand verschiedener Beispiele die Verwendungsmöglichkeiten der Suchergebnisse illustriert.Im Rahmen der folgenden beiden Publikationen wurden umfängliche
Datenbestände aus BERNHIST ausgewertet und interpretiert:
|
BERNHIST, ein Projekt der Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte am Historisches Institut der Universität Bern. |